Der historische Ernstfall ist da: In Deutschland ist eine rechtsextreme Organisation wieder die stärkste Partei. Dass in der Demokratie Millionen Menschen Faschismus wählen, ist dabei nicht neu. Faschismus ist nicht nur widerlich. Faschismus ist: politische Energie – eine Schwerkraft. Nicht die Deklassierten und Abgehängten wählten NSDAP, sondern die Begeisterten. Die Nationalsozialisten wurden in freien Wahlen stärkste Partei.
Wie verhielt sich die NSDAP unter demokratischen Bedingungen? Wie konnte eine rechtsextreme Partei derart erfolgreich werden? Am 14.9.1930 gibt es etwas vollkommen Übersehenes.
Wir erforschen seit drei Jahren das Wesen und die Grundlagen des Aufstiegs der NSDAP von 1928 bis 1930. Dafür haben wir wesentliche Quellen (Völkischer Beobachter, Der Angriff, Illustrierter Beobachter) aus den Jahren 1927-1932 digital erfasst. Wenn Sie Zugang zu unseren Beständen oder zu unserem Forschungsnetzwerk haben möchten, schreiben Sie uns. Methodisch fußt das Projekt auf zwei Grundprinzipien: die Wahrnehmung der Zeitgenossen stärker zu berücksichtigen und den Zeitraum bis 1930 vom darauffolgenden Ereignisverlauf abzukoppeln. Erste Erkenntnisse liegen seit August 2026 mit dem Buch »Der Rückfall« (Verlagsseite) vor.
Trotz fehlender Meinungsumfragen lässt sich der Aufstieg der NSDAP bis September 1930 anhand der häufigen Wahlen in Sachsen rekonstruieren – der Freistaat trifft 1930 den Reichsdurchschnitt genau und verfehlt ihn 1928 um wenige Promille. Darstellung in: Der Rückfall, 2026.
Dass die Mitgliedsdichte der NSDAP wenig mit den erreichten Wahlziffern zu tun hat, zeigt diese Karte, die die Ergebnisse der einzelnen Wahlkreise aufschlüsselt. Blau umrahmt sind die Top 10 der Gaue, in denen die Nationalsozialisten über die meisten Mitglieder verfügen. Darstellung in: Der Rückfall, 2026.
Warum gewann die NSDAP ab 1929 massenhaft Anhänger – und was trägt das zum Verständnis der Gegenwart bei? Haben wir die falschen Lehren aus dem Untergang der Weimarer Republik gezogen? Kann und sollte die Geschichte vielleicht sogar zur Verteidigung der liberalen Demokratie herangezogen werden? Statt ritualisierter Erinnerung brauchen wir: angewandte Geschichte. Es geht um historische Tiefenschärfe, die dabei hilft, den Rechtsextremismus in der Gegenwart zu bekämpfen.
Ein Sammelband, herausgegeben von Philipp Ruch und Thomas Weber. Mit Beiträgen von Yael Ben-Moshe, James D. Bindenagel, Peter Fritzsche, Beatrice de Graaf, Christian Kofoed Hansen, Steven E. Hanson, Benjamin Carter Hett, Hinnerk Höfling, Annelotte Janse, Jeffrey Kopstein, Carolin Lange, James McSpadden, Sabine von Mering, Mike Rothschild, Philipp Ruch, Torsten Sewing, Robin te Slaa, Niki Stein, Thomas Weber.
Unsere Aktionen werden von umfangreichen historischen Recherchen zusammengehalten. Wir veröffentlichen an dieser Stelle relevante Funde, insbesondere aus Archiven, um sie zugänglicher zu machen:
SRP-Verbotsantrag (10.10.2024)
• SRP-Verbotsantrag von 1951
Sitzung des Reichsausschusses (4.10.2024)
• Dr. Wolfgang Stresemanns letzte Rede (30.09.1929)
Dokumente und Recherchen zu Helmuth Mylius (5.12.2019)
• Biografische Abfolge mit Kommentar und Quellenverweisen
• Mylius' Entnazifizierungsakte (1948)
• Mylius' Rentenakten
Wissenschaftliche Aufsätze mit Rechercheergebnissen
• Die Wege der Asche (30.11.2019)