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Schweiz entköppeln!

Der Schweizer Rechtspopulist "Roger Köppel" ist vom Geist von Julius Streicher besessen. Dieser fremdenfeindliche Geist muss sofort exorziert werden. Es kommt zur unvermeidlichen Konfrontation: Theater gegen totalitäre Politik. SVP gegen die Macht der Fiktion. Ein afrikanischer Voodoo-Priester wird am Flughafen Zürich von den Schweizer Behörden an seiner Einreise gehindert – angeblich wegen fehlender Arbeitserlaubnis. Er verfluchte Roger Köppel von der Flughafen-Toilette aus. Ein politischer Exorzist springt daraufhin ein und setzt alles daran, den SVP-Politiker und Chefredakteur der "Weltwoche" vom Geiste des fanatischen Hetzers zu befreien.

Aber die SVP möchte ihr Monopol auf Bürgerhetze wahren und verteidigt sich (von der SVP-Hetzpolitik in der "Weltwoche ganz zu schweigen: "Totengräber der Demokratie", "Der Falschmünzer", "Die talentiertesten Subventionsjäger"). Ein ganzes Land gerät in einen Tobsuchtsanfall. Eine Empathie-Erweiterungsaktion, die sich sachlich und argumentativ vollkommen korrekt und werkgetreu mit Roger Köppel auseinandersetzt, sorgt – statt mit der geplanten Entköppelung – für die totale Verköppelung eines Landes. An was man sich in Politik und Journalismus längst gewöhnt hat, also Flüchtlingshetze, persönliche Angriffe, Vernichtungswünsche, überschreitet in der Kunst "den guten Geschmack" und die "rote Linie".

  • "Linke Stimmen haben in diesem Diskurs schon lange nichts mehr zu sagen, der einzige grosse öffentliche Diskurs, der in diesem Land noch stattfindet, besteht aus einem Pingpong der SVP und hyperventilierenden Medien."

    Daniel Ryser
  • "Ist es mehr ein Wunder oder viel mehr ein Skandal, dass vermeintlich kritische und kluge Journalisten bis zum heutigen Tag über jedes verdammte Stöckchen springen, das ihnen Blocher hinhält?"

    Ronnie Grob
  • "Die Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit sind drastisch, sie provozieren. Es sind Großproduktionen, die Gesellschaft, Politik und Medien gegeneinander in Stellung bringen. Ohne feste Bühne und ohne feste Ensemble. Jeder Besucher, jeder Facebook-Freund, jeder Journalist wird Teil der Inszenierung."

    Der Spiegel

DIE SCHWEIZ LIEBT
ROGER KÖPPEL!

Und so sah sie aus, die "gefährlichste Aktion" nach Schweizer Medien, die das Theater jemals produziert hat: Allein auf der Internetseite wurde Roger Köppel in den ersten vier Tagen der Aktion weit über 800.000 Mal (!) verflucht. Am Ende gewann das nichtletale "zwanghafte Onanieren".

Theater als Spiegel


Wenn die Beschaffenheit der Reflexionsoberfläche dem zu spiegelnden Objekt entspricht, werden Spiegelreflexe ausgelöst. Es braucht bedrohlichen Stumpfsinn, Primitivität und Populismus, um dem wahren Abbild zu entsprechen. Eine Gesellschaft kann sich durch den Spiegel der Kunst selbst erkennen.Nichts ist wichtiger als die Förderung der Selbsterkenntnis. Die Erkenntnis kann weh tun und verletzen, der Aufschrei sogar die Kunst vernichten. Denn Kunst soll gefälligst argumentieren und unterhalten, bloss keinen Spiegel vorhalten. Schon gar nicht mehrere gleichzeitig.
Die Bühnen stehen an unterschiedlichen Orten, aber niemals im Theaterraum. Dass ziemlich viele Menschen auf unsere Bühne rennen und offensichtlich nicht merken, dass sie da – im grellsten Scheinwerferlicht ausgeleuchtet – verloren rumstehen, ist nur in der Schweiz möglich. Die unfreiwilligen Akteure schreiben sich ihre Sprechrollen gleich selbst und die Theatermacher dürfen Pöatz nehmen und die Performance-Perlen in der real existierenden Weiteraufführung bestaunen.

(Bild: Yves Bachmann)

Sternstunde der Schweizer Ratio


Roger Köppel, die Weltwoche und deren Mitarbeiter werden im Kantonsrat gesegnet! Es fehlt noch die Segnung seines Autos und Fahrrads.

Das überwältigte Medienecho

  • Mit einer Zwangsstörung will die Mehrheit der Besucher den Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel verfluchen.

    20 Minuten
  • Die Stadtzürcher SVP verschickte gestern umgehend eine Stellungnahme, in der sie «die sofortige Einstellung jeglicher Subventionen an das Theater Neumarkt» fordert. Die Aktion sei «an dumpfer Primitivität nicht mehr zu übertreffen», und es sei «der Beweis erbracht, dass intellektuell nichts mit intelligent zu tun» habe.

    Tagesanzeiger
  • Es ist wohlfeil geworden, sich über die «Entköppelung» am Theater Neumarkt zu empören. Verärgerung über die unsägliche Aktion gehört zum guten Ton. Aus der Politik ertönt der Ruf, dem Theater die Subventionen zu streichen. Und dem schlossen sich auch Kulturschaffende an. Sein Stück sei auf der Neumarkt-Bühne abgebrochen worden. Es laufe aber nach wie vor. In der Öffentlichkeit, in den Medien, in der Politik – und alle machten mit.

    NZZ
  • Die SVP der Stadt Zürich schreibt in einer Medienmitteilung, die angekündigte Aktion des subventionierten Theaters sei an «dumpfer Primitivität nicht mehr zu übertreffen». Sie kritisiert aufs Schärfste den Vergleich mit dem «Stürmer»-Herausgeber und die Aufforderung, in Köppels Privatsphäre vorzudringen. Die SVP protestiere «in aller Form und mit Vehemenz» gegen die Hetze. Das Ganze müsse personelle Konsequenzen haben – «auf allen Ebenen».

    Berner Zeitung
  • Eine hirnlose Realsatire. Denn hat man es also bereits vergessen? Dieselben Witzbrüder hatten letzten Herbst im Zürcher Strassenmagazin Surprise gefordert, "Roger Köppel töten". Heute nun dem längst zum Tode verurteilten Maul- und Klauenseuche zu wünschen (oder ähnliches Siechtum) kommt de jure einer Begnadigung gleich.

    Die ZEIT
  • Der Satiriker Andreas Thiel nennt die Aktion eine «Volksverhetzung». Mit der Wirklichkeit hat Thiels Aussage freilich nichts zu tun: Am Freitagabend verfolgten lediglich 100 Theaterbesucher die Aktion von Ruch, die vom Theater Neumarkt zum Bahnhof Tiefenbrunnen führte. Von ihnen wirkte niemand aufgehetzt.

    Der Bund
  • Das ganze Ausmass des intellektuellen Schiffbruchs hinter der Aktion zeigt sich darin, dass die Bevölkerung zur Mitwirkung aufgerufen wird. Wer will, kann Roger Köppel auf dem Internet per Mausklick «rechtsgültig verfluchen».

    Neue Zürcher Zeitung
  • Die langjährige SP-Fraktionspräsidentin im Gemeinderat hält fest, dass Kulturkritik keine politische Aufgabe sei. Sie verweist auf die künstlerische Freiheit. Nachvollziehen kann sie, dass es für Köppel nicht angenehm ist, im Zentrum einer solchen Aktion zu stehen.

    Limmattaler Zeitung
  • Die Exorzismus-Klamotte ist vor allem saudumm, weil sie als primitive Provokation nur eines erreicht: Dass eine Figur des öffentlichen Lebens, deren Verquickung eigener politischer und publizistischer Interessen mit hohem Berlusconi-Faktor verbunden ist, eine Welle der Solidarität erfährt.

    Badische Zeitung
  • Die Initianten der Kunstaktion geben sich derweil betont gelassen. Es sei das Grundanliegen, Roger Köppel «endlich ernst zu nehmen». Die Aktion sei kein Angriff auf Köppel, im Gegenteil. «Wir halten ihn für eine zutiefst schützenswerte Person», die vom Geist Julius Streichers befreit werden müsse.

    Neue Zürcher Zeitung
  • Sie überschreite die rote Linie und sei geschmacklos. Das sagte die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) am Mittwoch im Gemeinderat.

    20 Minuten
  • Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) bezeichnet die «Verfluchungs-Zelebration» als «einer kulturellen Institution unwürdig». Sie ruft die Bevölkerung auf: «Betet für Roger Köppel, seine Familie, seine Gesundheit, seine Arbeit und Berufung!»

    BLICK
  • Die Veranstaltung betreibe «Verleumdung, Beschimpfung und Aufhetzung», sagt Andreas Thiel im Interview mit der «Sonntagszeitung». Der Berner Satiriker fordert, dass dem Theater die Subventionen gestrichen werden sollen. Gemäss Thiel hätten Ruch und seine Truppe «Mittel der Diffamierung» eingesetzt, «die man von den Nazis kennt». Jeder, der schon mal einer solchen Hetzkampagne ausgesetzt gewesen sei, kenne deren Wirkung.

    20 Minuten
  • Das Theater habe mit der «Voodoo»-Aktion eine Grenze überschritten. «Die Privatsphäre von Roger Köppel muss gewahrt bleiben», fordert Frei. Dies habe die Migros den Verantwortlichen klipp und klar mitgeteilt. Trotz der Kritik will Hauptsponsor Migros das Theater auch in Zukunft finanziell unterstützen. «Da planen wir langfristig», sagt Frei und zieht einen Vergleich mit dem Sport: «Ein Fussballer, der ein grobes Foul begeht, erhält ja auch weiterhin Sponsorengelder.» Auch die anderen beiden grossen «Neumarkt»-Sponsoren – ZKB und SwissRe – sehen dies so, wie sie auf Anfrage mitteilen.

    SRF
  • Die Schweiz – wo Journalisten Sponsoren hinterherplappern (siehe Zitat in der Mitte).


    "Wenn im Fussball ein Foul geschieht, entlässt man ja auch nicht den Trainer und die anderen Spieler. Erst recht nicht stellt man das ganze Spiel infrage. Das wäre fatal."

    Andreas Tobler, Tagesanzeiger
  • In den letzten Tagen hatte die Theaterleitung die Aktion noch verteidigt mit dem Hinweis darauf, die künstlerische Freiheit dürfe nicht eingeschränkt werden - allerdings mit sichtlich schwindender Überzeugung.

    NZZ
  • Die Schweizerische Evangelische Allianz brachte einen Gegenvorschlag ein: Sie rief in einer Medienmitteilung vom 18. März alle Christinnen und Christen dazu auf, «segnend einzustehen für alle Beteiligten». Die Bischofskonferenz wollte nicht Stellung nehmen. Der Bischofsvikar im Bistum Chur und Exorzist war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

    Katholisches Medienzentrum
  • Die «Entköppelung» war eine sehr dumme Theateraktion. Plump, pennälerhaft und primitiv.

    Der Bund
  • Vor wenigen Jahren hat der Regisseur Milo Rau im selben Theater Köppel und seiner Wochenzeitung während dreier Tage auf der Bühne den Prozess gemacht. Der endete mit einem Freispruch. Wohl deshalb versucht man es nun am selben Ort mit einem Exorzismus.

    FAZ
  • Ob der Exorzismus beim Tiefenbrunnen schliesslich von Erfolg gekrönt war, blieb unklar: Der Exorzist nahm schreiend reissaus. Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) kritisierte gestern das geplante Happening als «völlig daneben. Ausserdem beschert es uns unnötigen Aufwand, nur weil einer eine Aktion medienwirksam verbreitet.»

    Langenthaler Tagblatt
  • Krawall-Kulturschaffender macht Voodoo-Zauber.

    BLICK
  • Es bleibt also die Frage, warum die «Entköppelung» derart misslang. Die Antwort ist einfach: [...] Roger Köppel ist kein Nazi, er hat nie zum Mord aufgerufen. Er weiss aber, dass er an

    Aufmerksamkeit und Sympathie gewinnt, wenn man ihn dauernd skandalisiert. Deshalb wendet Köppel seit je die Strategie der Grenzüberschreitung an, der er auch seine Bekanntheit verdankt.


    Anmerkung der Redaktion: Dass SVP-Nationalrat Roger Köppel kürzlich im Editorial der «Weltwoche» Hermann Göring bewunderte, der den Befehl zur «Endlösung der Judenfrage» gab, was Köppel mit keinem Wort erwähnte, gehört in der Schweiz zum guten Ton.

    Andreas Tobler, Tagesanzeiger
  • Politiker aller Parteien reagieren empört und verärgert auf die Aktion. Auch im Gemeinderat kam es zu zornigen Voten. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bezeichnete das Theaterprojekt in einer Stellungnahme als «geschmacklos», es überschreite die «rote Linie».

    Der Bund
  • Franz Hohler spricht von «Wildwestmethode». Als «selbstdarstellerischen Unfug» bezeichnet Drehbuchautor und Schriftsteller Charles Lewinsky die Aktion. Man solle seine politischen Gegner mit Argumenten bekämpfen «und nicht mit kindischen Beleidigungen». Kritik kommt auch von Autor Adolf Muschg: «Ich dachte, Donald Trump sei nicht zu unterbieten – aber es geht

    offenbar noch dümmer.» Der Denunziationsstil der Veranstaltung am Neumarkt-Theater sei «schlimm und gefährlich».

    Sonntagszeitung
  • "Fort aus Zürich! Ohne jeden Lohn! "

    Schweizer Zeit
  • Grundsätzlich würde ich nicht ausschliessen, dass in zwanzig Jahren wieder ein Künstler oder eine Künstlerin eine Provokation lanciert, die allerseits als primitiv und pubertär abgehandelt wird. Und dann heisst es: «Also Philipp Ruch war ja noch originell, aber das hier ist einfach nur plump und dumm».

    PS Zeitung
  • Wer zahlt, befiehlt. Von Geschmacksfragen abgesehen, manifestiert sich in der politischen Strafaktion ein gewissermassen vordemokratisches, feudales Demokratieverständnis. 

    SRF

Besuch beim Großinquisitor

Der künstlerische Leiter des Zentrums für Politische Schönheit muss, als die Emotionen im Land hochkochen, bei Schawinski (SRF) Rede und Antwort stehen.
Der erfahrene Exorzist Reto de Samoto hört Köppels Aussage aus einer "Schawinski"-Sendung: "Christoph Blocher verkörpert in diesem Land die höchste Staatsgewalt, die wir haben: das Volk."
Er fordert daraufhin: Blocher enteignen! Millionären den Kauf von Medien verbieten! Und das Recht von Parteien, Volksinitiativen zu lancieren, abschaffen.                     Foto: Caspar Urban Weber

Weltwoche-Kästen

Während der gesamten Zeit waren die Stürmer-Weltwoche-Kästen vor dem Theater aufgestellt. "Schweizer: Lies die Weltwoche" und "Verschaffe Dir Klarheit über die Flüchtlingsfrage".

Antikunst im Turbomodus

Ganze drei Tage nach der Aktion liegt im Stadtrat von Zürich bereits der fertige Antrag vor, dem Theater sämtliche Subventionen zu kürzen.

Anträge im
Stadtrat Zürich


23.3.2016, nur Audio

Die Politik in Angst: das Schauspiel durfte die Stadtgrenzen von Zürich nicht verlassen. +++ Es musste an der Stadtgrenze exorziert werden! +++ Publikum lauscht dem historischen Satz von Christoph "Trump" Blocher: "Wenn die Minderheit beginnt, Recht über die Mehrheit zu setzen, haben wir die Diktatur." +++ Der politische Extremismus verfügt in der Schweiz über 3,6 Milliarden Schweizerfranken Privatvermögen. +++ Das Geld ist in den Händen eines chemischen Industriellen, der das Land mit seinen obskuren Ideen lahmlegt. +++ Seit 2009 haben die Schweizer u.a. diese SVP-Initiativen angenommen: "Gegen den Bau von Minaretten" (57 Prozent stimmten mit Ja), "für die Ausschaffung krimineller Ausländer" (53 Prozent stimmten mit Ja) und "gegen Masseneinwanderung" (50,3 Prozent stimmten mit Ja).

Exorzismus aus der Luft

Gegenstimmen

1. Verleger Michael Ringier:
"Feiger Empörungsjournalismus"

Kommentar am 21.3.2016

2. "Darf Kunst das?"

Deutschlandradio am 18.3.2016

"Die Frage, die sich das Zentrum für Politische Schönheit stellt, lautet wahrscheinlich anders: Dürfen Medien das? Ausländer immer wieder derart verunglimpfen, Behauptungen in die Welt setzen, [...] glatte Lügen. Sie drehen den Spiess um. [...] Was darf die Kunst? Das interessiert diese Aktion gar nicht. Es geht darum, im Sinne einer sozialen Plastik zu schauen, was sie auslöst. [...] Und die fast einhelligen Reaktionen geben ihnen recht: Man tut so, als würde sie das Heiligste angreifen."

Darf Kunst die gespiegelte Wirklichkeit in Satire verwandeln?

3. Grundkurs: "Politischer Aufruhr"

Falls Sie sich schon einmal gefragt haben, bei welcher Art von Kunst eigentlich die SVP/Weltwoche ins Schwärmen gerät, hier gehts zu einem entsprechenden Artikel.