Mobirise



Die Wege der Asche 

Wir machen Teile unserer geschichtlichen Vorrecherchen hier erstmals für die Wissenschaft zugänglich. In dem Aufsatz geht es um eine "quellenkritische Chronologie für das Interessengebiet Auschwitz".

Letzte Worte

Das Zentrum für Politische Schönheit hat in den vergangenen zwei Jahren ein Archiv mit den letzten Worten von Menschen angelegt, die sich den deutschen Henkern gegenübersahen und wussten, dass sie sterben würden. Ihre Botschaften haben sie auf Postkarten aus den Deportationszügen geworfen, in Gurkengläser oder Thermoskannen vergraben oder in dem doppelten Boden einer Schüssel versteckt: "Wir möchten so gerne leben, doch man lässt uns nicht, wir werden umkommen. Ich habe solche Angst vor diesem Tod, denn die kleinen Kinder werden lebend in die Grube geworfen. Auf Wiedersehen für immer. Ich küsse Dich inniglich."

Der Historiker Samuel Kassow schreibt: "Man kann einen Völkermord nur wirklich begreifen, wenn man erfährt und sich bewusst macht, was und wer vernichtet wurde." Ihre Nachrichten haben uns zutiefst bewegt. Sie könnten heute genauso geschrieben worden sein – sie könnten morgen genauso geschrieben werden. Diese Botschaften sind zeitlos. Es waren Menschen mit einem Namen, einem Gesicht, Sehnsüchten und Hoffnungen.

Buch: "An die Nachwelt"

Die letzten Nachrichten und Zeitzeugnisse von Opfern des Nationalsozialismus. Und gegen das Vergessen.

Historisches

Weichsel / Sola

Damm

Nordhausen

Chelmno

So unglaublich es klingen mag: Die Getöteten, die Verbrannten, die Verscharrten liegen 74 Jahre nach den Massenmorden der Nationalsozialisten immer noch überall herum. Auch in Deutschland. Vor ihrem Tod schrieben sie: "Teurer Finder, suche überall, auf jedem Zollbreit Erde. Suchet in der Asche. Die haben wir verstreut, damit die Welt sachliche Beweisstücke von Millionen von Menschen finden kann." Salmen Gradowski, †1944.

Sie flehten: Sucht nach uns! Sie nahmen an, die Welt würde sie finden. Wir haben nach ihnen gesucht. In Dämmen, in Flüssen, auf Feldern. Dort, wo wir suchten, gab es kein Grab und keine letzte Ruhestätte. Es gab nur verscharrte Überreste, angekohlte Glieder, Finger, Hände, Teile von Armen, Beinen und Füßen, Torsos von Rümpfen und Beckenknochen. Ihre letzte ungewollte Unruhestätte liegt völlig vergessen, verdrängt oder nie gesucht vor uns. Davon gibt es Tausende.

Der Damm bei Harmense

In den Harmense umgebenden Teichen mit einer Fläche von 380 Hektar wurde nach der deutschen Invasion mit Fischzucht begonnen. Die Historikerin Anna Zieba schreibt in ihrem 1970 erschienen Aufsatz: "An der Grenze des Dorfs Harmense und Plawy schütteten Häftlinge aus Asche einen Damm auf." – Wir haben diesen Damm geöffnet.

Probebohrungen

An 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine wurden über 200 Proben genommen. Laboruntersuchungen ergaben in über 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste. Mitunter lagen Knochen direkt unter der Grasnarbe und ragten metertief in einen Abgrund. Wir fanden Knochenkohle, sedimentierte Asche und menschliche Fragmente in den Flussläufen der Weichsel, Zähne direkt auf Feldern, Knochenreste in allen erdenklichen Körnungsgrößen. Es gibt dort kein Grab, keine letzte Ruhestätte. 

Die Flüsse: Sola und Weichsel

Flüsse

In aufwändigen Recherchen haben wir die Flussläufe von heute mit denen auf den Luftbildern der Alliierten von 1944 verglichen, um Einblicke in mögliche Sedimentierungen von Asche in den alten Flussläufen zu gewinnen.

Nordhausen, Thüringen

Historische Bilderrecherche: Auf einer leichten Anhöhe über dem Häftlingslager liegt das erst im Herbst 1944 fertiggestellte Krematorium mit Sezierräumen und Verbrennungsöfen. 5.000 Leichen wurden hier verbrannt. Die Asche wurde den Abhang hinuntergekippt.

Waldfriedhof Chelmno

Chelmno

Überall in den Wäldern von Chelmno liegen die Toten. Auch hier glichen wir alte Karten mit der heutigen Topographie ab.