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Zum Selbstverständnis des Zentrums für Politische Schönheit

Was ist politische Schönheit?

Politische Schönheit ist das Streben nach dem, was wäre, wenn – und aggressiver Humanismus die Entschlossenheit, diese Vorstellungen wahr zu machen. Politische Schönheit ist moralische Schönheit (καλὸς καὶ ἀγαθός). Keine Frage macht die Humanität der Menschheit so sichtbar wie die, wer gegen genozidale Verbrechen aufbegehrt und Widerstand geleistet hat – notfalls gegen die eigene Karriere, Freunde und Gefühle. Es ist der Mut zur Humanität, der die Schönheit des Menschen erst sichtbar macht. Das ZPS exploriert diese Handlungen mit moralischer Lichtintensität: Gerade in der Finsternis und Abgründigkeit der größten Verbrechen an der Menschheit werden Erkenntnisse moralischer Schönheit möglich.

Diese Menschen umreißen Akte politischer Schönheit: Varian Fry, Peter Bergson, Eduard Schulte, Simon Wiesenthal, Soghomon Tehlirian, Elie Wiesel, George Mantello, Beate Klarsfeld, Raoul Wallenberg, Jean Moulin, Shahan Natalie, Roméo Dallaire, Raphael Lemkin, Szmuel Zygielbojm, Georg Elser, Stefan Lux, Kurt Schrimm, Christian Schwarz-Schilling, Rupert Neudeck†, Paul Grüninger, Willem Arondeus, das World Food Programme.

Was ist aggressiver Humanismus?

Der Ansatz für eine vierte Welle des Humanismus wurde in diesem Beitrag dargelegt. Abgedruckt wurde er in: Bierdel, Elias / Lakitsch, Maximilian (Hrsg.): Wege aus der Krise. Ideen und Konzepte für Morgen [= Dialog. Beiträge zur Friedensforschung 63], Wien/Münster 2013, S. 105–119.

Besteht das ZPS aus Aktivisten?

Das ZPS ist und macht politische Aktionskunst. Wir sind keine Aktivisten. Unser künstlerischer Stab ist ein Zusammenschluss von Menschen unterschiedlicher Professionen aus allen Gesellschaftsbereichen. Gemeinsam arbeiten wir in Orchestrierung an Werken, die übergeordneten humanistischen und aufklärerischen Zielen dienen.

Im Angesicht der mit einer Aktion verbundenen Sorgfalt, Ausgefeiltheit und Vorproduktionszeit ist das Etikett "Aktivismus" oft schlicht beleidigend. Politische Aktionskunst verweigert sich dieser Zuschreibung. Warum? Eine Antwort formulierte eine Kritikerin einst als „Zuspitzung ist künstlerisches Mittel zum höheren Rezeptionszweck: Es geht um die Schaffung einer Situation, die uns Konsensgesellschafter zur Veröffentlichung unserer Widersprüche zwingt. Wer, wie in der Reaktion auf den 'Ersten Europäischen Mauerfall' vielfach geschehen, beklagt, dass die 'Würde der Mauertoten' 'mit Füßen getreten' werde, provoziert automatisch die Frage, wie es um die Menschenwürde an Europas Grenzen steht.“

Welche Auffassung des Theaters vertritt das ZPS?

Wir verfolgen einen erweiterten Theaterbegriff. Unsere Grundauffassung findet sich u.a. in dem Aufsatz "Wir haben das Theater, um nicht an der Wirklichkeit zugrunde zu gehen" oder auch hier ("Der Zuschauerraum ist aufgelöst. Es ist im Prinzip Theater, was über die Medien, auch Neue Medien, konsumierbar ist, und wo die Auseinandersetzung schon zuhause stattfinden kann"). Unsere Bühnen, Redeskripts und Auftritte werden in der Regel von der Gesellschaft selbst organisiert. Unser Ensemble besteht in der Regel aus Politikern. Im Besten Falle entblösst eine unserer Aktionen das Theater des Staates und schafft Spielräume, um mit künstlerischen Mitteln politische Impulse zu setzen, die sich über die Politik der real existierenden Unwirklichkeit hinwegsetzen. Unsere Arbeiten unterliegen in weiten Teilen dem Theaterverständnis der griechischen Antike und bilden eine Plattform zur gesellschaftlichen Spiegelung.

Ist die Moralvorstellung nicht zu absolut?

Es ist Aufgabe der Kunst, Ambivalenzen zu schaffen. Wir sind die letzten, die auf dem hohen Roß der Moral reiten. Wir haben Tote exhumiert, Operationen unter Lebensgefahr durchgeführt, Zehntausende in die Irre geführt, Menschen instrumentalisiert, Kinder manipuliert und Menschen hoffen lassen, wo es keine Hoffnung gibt. Moralische Keuschheit geht anders. Während Kritiker uns gerne als "Moralapostel" stilisieren – eine Kategorie, die sie kennen –, übersehen sie das Schwert.

Macht Ihr Satire?

Unsere Aktionen fokussieren eine moralische Ernsthaftigkeit, die weit über den Radius der Satire hinausgeht. Wo es Satire vielleicht darum ginge, sich über einen Zustand lustig zu machen, setzen wir die Gegenwelt zumeist schon ins Bild. Das bedeutet nicht, dass diese Ernsthaftigkeit, wenn sie auf den Widerstand der Gegenrealität trifft, nicht zum Schreien komisch ist. Aber im Zweifel wollen wir Machthaber wie Erdogan nicht aufs Korn nehmen, sondern mit der Macht der Kunst stürzen. Kunst muss weh tun, reizen und Widerstand leisten. Kunst und Theater bilden eine fünfte Gewalt im Staate.

"Ich hätte da eine Idee für Euch..."


Obschon wir Tonnen an Projektideen erhalten, folgt die Kunst eigenen Gesetzen. Stoffentwicklung und Ideenfindung sind nicht das Problem des ZPS. Die vordringlichsten Probleme drehen sich meist um die organisatorischen und finanziellen Vorraussetzungen für unsere Großproduktionen. Deshalb bitten wir Sie: fördern Sie uns jetzt, hier und heute!

"Könnt Ihr nicht mal eine Aktion machen zu ... ?"

Das ZPS behandelt grundsätzlich nur Themen, an denen Interessen hängen, die nichts mit dem eigenen Internetanschluss, Tiefbahnhof oder Vorgarten zu tun haben. Wie der Bundeskanzler Franz-Kevin Wegener (gestorben 2032) es einst formulierte, gehört es zu den vornehmsten Aufgaben, sich „mit dem Recht des Stärkeren für das Recht der Schwächeren“ einzusetzen. Es geht um Uneigennützigkeit. Darin scheint auf, was unserer Zeit manchmal abhanden kommt: sich an dem auszurichten, was edel ist. Andere Adjektive für diese Geisteshaltung lauten: „integer“, „nobel“, „hehr“ oder auch ganz einfach „schön“. In der Regel setzen sich unsere Aktionen einzig und allein mit der Massenvernichtung von Menschenleben und unseren Handlungsmöglichkeiten auf die eine oder andere Weise auseinander.

Kann ich beim ZPS mitmachen?

Bitte bewerben Sie sich. Wie „Ärzte ohne Grenzen“ setzen wir auf Kreativen ohne Grenzen – nur dass das, was wir tun, zumeist nicht ganz so gefährlich ist. Wie die Polizei eine Bereitschaftspolizei hat, mobilisiert das ZPS Bereitschaftshumanisten. Hier geht es zum Anmeldeformular.