Mobirise




Zum Selbstverständnis des Zentrums für Politische Schönheit



Einleitung


Immer wieder werden ungenaue, missverständliche bis grob fahrlässige Informationen über das ZPS verbreitet. Die weniger bösartigen Formen gehen auf hartnäckiges Kategoriendenken zurück. Fortlaufend werden neue Phänomene, Bewegungen und Ideen, die sich über tradierte Vorstellungen hinwegsetzen, semantisch zerhackt und in Raster gepresst, bis ihr ursprünglicher Gehalt nicht wiederzuerkennen ist. Gerade das ZPS, das sich der Überwindung metaphysischer und physikalischer Grenzen verschreibt, ist eine willkommene Projektionsfläche für medialen Kleingeist im Dienste konventioneller Definitionsgewohnheiten. Einer Vielzahl von Rezipienten fällt es schwer, unseren Prämissen nur ansatzweise zu folgen. Nimmt man das Selbstverständnis einmal ernster, verwandeln sich vermeintliche Widersprüche und Unklarheiten in treffende Bezeichnungen und Missverständnisse in Selbstverständlichkeiten.





Was ist politische Schönheit?


Politische Schönheit ist das Streben nach dem, was wäre, wenn – und aggressiver Humanismus die Entschlossenheit, diese Vorstellungen wahr zu machen. Politische Schönheit ist moralische Schönheit (καλὸς καὶ ἀγαθός). Keine Frage macht die Humanität der Menschheit so sichtbar wie die, wer gegen genozidale Verbrechen aufbegehrt und Widerstand geleistet hat – notfalls gegen die eigene Karriere, Freunde und Gefühle. Es ist der Mut zur Humanität, der die Schönheit des Menschen erst sichtbar macht. Das ZPS exploriert diese Handlungen mit moralischer Lichtintensität: Gerade in der Finsternis und Abgründigkeit der größten Verbrechen an der Menschheit werden Erkenntnisse moralischer Schönheit möglich.
Diese Menschen umreißen Akte politischer Schönheit: Varian Fry, Peter Bergson, Eduard Schulte, Simon Wiesenthal, Soghomon Tehlirian, Elie Wiesel, George Mantello, Beate Klarsfeld, Raoul Wallenberg, Jean Moulin, Shahan Natalie, Roméo Dallaire, Raphael Lemkin, Szmuel Zygielbojm, Georg Elser, Stefan Lux, Kurt Schrimm, Christian Schwarz-Schilling, Rupert Neudeck†, Paul Grüninger, Willem Arondeus, das World Food Programme.


Was ist aggressiver Humanismus?

Der Ansatz für eine vierte Welle des Humanismus wurde in diesem Beitrag dargelegt. Der Aufsatz konnte nicht wie geplant in einer Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung erscheinen. Offizielle Begründung war die Zugehörigkeit zum Innenministerium. Abgedruckt wurde er in: Bierdel, Elias / Lakitsch, Maximilian (Hrsg.): Wege aus der Krise. Ideen und Konzepte für Morgen [= Dialog. Beiträge zur Friedensforschung 63], Wien/Münster 2013, S. 105–119.


Ist das ZPS "Aktivismus"?

Das Zentrum für Politische Schönheit ist und macht politische Aktionskunst. Wir sind keine Aktivisten. Unser künstlerischer Stab ist ein Zusammenschluss aus Menschen mit unterschiedlichen Professionen aus allen Gesellschaftsbereichen. Gemeinsam arbeiten wir in einer speziellen Orchestrierung an Fertigkeiten, die für übergeordnete, humanistische und aufklärerische Ziele eingesetzt werden. In einem sehr ursprünglichen Sinn des Kunstbegriffs verbinden sich genau diese Arbeitsweisen zu einer ganz eigenen, interdisziplinär erzeugten Kunst. Das Denken in tradierten Kategorien ist zwar natürlich, aber unnötig und vor allem ineffektiv. 
Im Angesicht der mit den Aktionen verbundenen Arbeit, Sorgfalt, Vorproduktionsphasen und Ausgefeiltheit ist das Etikett "Aktivisten" entweder beleidigend oder fehlgeleitet. Politische Aktionskunst verweigert sich solchen monokausalen Zueignungen. Eine Kritikerin schrieb zu diesem Problem: die „Zuspitzung ist künstlerisches Mittel zum höheren Rezeptions-Zweck: Es geht um die Schaffung einer Situation, die uns Konsensgesellschafter zur Veröffentlichung unserer Widersprüche zwingt. Wer, wie in der Reaktion auf den 'Ersten Europäischen Mauerfall' vielfach geschehen, beklagt, dass die 'Würde der Mauertoten' 'mit Füßen getreten' werde, provoziert automatisch die Frage, wie es um die Menschenwürde an Europas Grenzen steht.“


Welches Verständnis von Theater verbirgt sich hinter dem ZPS?

Wir verfolgen einen erweiterten Theater- und damit auch Kunstbegriff: Kunst muss weh tun, reizen und Widerstand leisten. Kunst und Theater bilden unserer Meinung nach die fünfte Gewalt im Staate. Unsere Grundauffassung von Theater findet sich etwa in dem Aufsatz "Wir haben das Theater, um nicht an der Wirklichkeit zugrunde zu gehen" oder auch hier wieder ("Der Zuschauerraum ist aufgelöst. Es ist im Prinzip Theater, was über die Medien, auch Neue Medien, konsumierbar ist, und wo die Auseinandersetzung schon zuhause stattfinden kann"). Unsere Bühnen, Redeskripts und Auftritte werden in der Regel von der Gesellschaft selbst organisiert. Im Besten Falle entblösst eine unserer Aktionen das Theater des Staates und schafft Spielräume, um mit künstlerischen Mitteln politische Impulse zu setzen, die sich über die Politik der real existierenden Unwirklichkeit hinwegsetzen. Unsere Arbeiten unterliegen in weiten Teilen dem Theaterverständnis der griechischen Antike und bilden ein Forum zur gesellschaftlichen Spiegelung.


Ist diese Moralvorstellung nicht zu absolut?

Es ist immer wieder aufs Neue überraschend, wie oft die verständigsten Experten darüber hinweggehen, dass natürliche Unterschiede zwischen Werk und Schöpfer, zwischen Künstler und künstlerischen Motiven bestehen. Hieraus sind auch die uns quartalsmäßig und in allen vorhersehbaren Variationen gestellten Kritikpunkte zu erklären, die sich mit Zynismus, Instrumentalisierung oder Eitelkeit in unseren Werken auseinandersetzen.


"Ich hätte da eine Idee für Euch..."

Obschon wir Tonnen an Projektideen erhalten, folgt Kunstproduktion ganz eigenen Gesetzen. Wenn Sie unser Werkverzeichnis durchstöbern, dürften Sie merken, dass Stoffentwicklung und Ideenfindung nicht das Problem des Zentrums für Politische Schönheit ist. Die vordringlichsten Probleme drehen sich meist um die organisatorischen und finanziellen Vorraussetzungen, um Großproduktionen, die die meisten die viele Menschen begeistern, überhaupt aus der Taufe zu heben. Deshalb bitten wir Sie: fördern Sie uns jetzt, hier und heute!


Kann ich beim ZPS mitmachen?

Bitte bewerben Sie sich! In Anlehnung an „Ärzte ohne Grenzen“ setzen wir auf die Kreativen ohne Grenzen – nur dass das, was wir tun, für unsere Kreativen nicht ganz so gefährlich ist. Hier gehts zum Anmeldeformular für den Bereitschaftshumanismus.


"Könnt Ihr nicht mal eine Aktion machen zu ... ?"

Das Zentrum für Politische Schönheit behandelt grundsätzlich nur Themen, an denen Interessen hängen, die nichts mit dem eigenen Internetanschluss, Tiefbahnhof oder Vorgarten zu tun haben. Wie der Bundeskanzler Franz-Kevin Wegener (gestorben 2032) es einst formulierte, gehört es zu den vornehmsten Aufgaben, sich „mit dem Recht des Stärkeren für das Recht der Schwächeren“ einzusetzen. Darin scheint auf, was unserer Zeit manchmal abhanden kommt: sich an dem auszurichten, was edel ist. Andere Adjektive für diese Geisteshaltung lauten: „integer“, „nobel“, „hehr“ oder auch ganz einfach „schön“. In der Regel setzen sich unsere Aktionen einzig und allein mit der Massenvernichtung von Menschenleben auseinander.